"Kombination von Maschinen, Elektrotechnik und Software in der Zukunft." Internationale Konferenz über die Zukunft der Industrie

21.8.2018

Anlässlich des 100. Gründungsjubiläums organisierte der Tschechische Industrie- und Verkehrsverband eine internationale wissenschaftliche Konferenz mit dem Titel "Zukunft der Industrie". Führende ausländische und einheimische Experten und Unternehmer, darunter der Gründer von ABRA Software, Jaroslav Řasa, sprachen über neue Branchentrends wie Digitalisierung, Robotisierung und damit verbundene Anforderungen an Bildung und Ausbildung.

Kernaussagen von Jaroslav Řasa, Gründer und Verwaltungsratspräsident der ABRA Software a.s.

Die Transformation der Industrie wird nicht nur in der Tschechischen Republik, sondern in ganz Europa diskutiert. Die Europäische Union hat in der Vergangenheit eine eigene Strategie verabschiedet, die darauf abzielt, den Anteil der Industrie am europäischen Bruttoinlandsprodukt zu erhöhen. All dies in einem Umfeld, in dem europäische Unternehmen zunehmend von den aufstrebenden Ländern in Asien und Südamerika abhängig sind.

Industrieunternehmen und ihre Produktion werden in den kommenden Jahren die Digitalisierung und Automatisierung von Fertigungs- und anderen Geschäftsprozessen verändern. Die Mitarbeiter müssen sich diesem Trend anpassen. Der Schlüssel zur erfolgreichen Erfassung dieses Trends wird die Synergie zwischen Unternehmen und staatlichen Organen sein, die sich für den Aufbau der notwendigen digitalen Infrastruktur und Ausbildungsmöglichkeiten einsetzen müssen. Unternehmen bereiten sich bereits auf Veränderungen vor und investieren in neue digitale Technologien, die oft als Industrie 4.0 und IoT bezeichnet werden.

Ihre Sicht zur Expansion ins Ausland

"Alle erfolgreichen tschechischen Unternehmen zeichnen sich dadurch aus, dass sie ihre Produkte in ausländische Märkte exportieren", kommentiert Jaroslav Řasa, Gründer von ABRA Software.

"Wachsende Unternehmen zeichnen sich auch dadurch aus, dass sie ihren Mitarbeitern den mentalen Raum geben um in anderen Dimensionen zu Denken. Denn wenn wir nur von einem gegebenen Umfeld abhängig sind, hört das Wachstum der Unternehmen auf. Darüber hinaus wird die Tschechische Republik zunehmend Teil des Westens und setzt dort Arbeitskosten massiv unter Druck.

Gerade im IT-Bereich ist der tschechische Preis für Arbeit, verglichen mit Google, Apple und ähnlichen Unternehmen in der globalen Welt, unglaublich unwirklich. Um hierbei unseren Mindset und unser Denken zu ändern haben wir uns auch dazu entschieden, Projekte im westlichen Teil von Europa umzusetzen, wo Unternehmen gewohnt sind, für Produkte und Dienstleistungen einen anderen Preis zu bezahlen. Die Wahl fiel auf die Schweiz, wo wir seit November 2017 eine Niederlassung haben und mit unserem Schweizer Team innert kürzerer Zeit auch Projekte abschliessen konnten."

Von links: Radek Špicar (Vizepräsident des Bundes), Jaroslav Řasa (Gründer von ABRA Software), Michal Kadera (Direktor für Außenbeziehungen von Škoda Auto), Zuzana Kocmaníková (CEO von IBM Tschechische Republik), Zbynek Frolík (CEO Linet) Eduard Palisek (CEO Siemens-Konzern in der Tschechischen Republik)

Welche ‚Digitalen‘ Trends sehen Sie für die Zukunft?

"Die wichtigsten Technologien, die die Zukunft der industriellen Produktion ausmachen sind Industrieroboter die via dem Internet der Dinge und generative Fertigungsverfahren bzw. der additiven Fertigung agieren können. Der Unterschied zwischen fortschrittlichen und traditionellen Industrierobotern besteht in der Fähigkeit, Informationen aus Ihrer Umgebung autonom zu verarbeiten und für die Entscheidungsfindung zu nutzen. Dank dieser sind diese Roboter viel flexibler und können Aufgaben ausführen, die über die traditionellen Roboterfähigkeiten hinausgehen. Fortgeschrittene Roboter selbst erzeugen eine große Menge an Daten, die zentrale Geschäftsinformationssysteme verarbeiten, um Produktionsprozesse zu optimieren. Der Einsatz moderner Roboter ist heute in der Elektronik-, Automobil- und Luftfahrtindustrie üblich.

Tschechische Unternehmen bereiten sich auf den Beginn der Digitalisierung vor und sind jetzt viel besser über die Möglichkeiten und Vorteile der Digitalisierung von Produktions- und Geschäftsprozessen informiert als vor zwei Jahren. Eine schnellere Implementierung digitaler Technologien wird oft durch langjährig etablierte Geschäftsprozesse behindert. Unternehmen dürfen keine Angst haben, interne Prozesse zu innovieren und zu automatisieren."

Und in welcher Branche der tschechischen Industrie sieht Jaroslav Řasa in den nächsten fünf Jahren das größte Wachstumspotenzial?

"Vor einhundert Jahren, bei der Gründung des Industrieverbandes, war die Situation ähnlich wie die heutige. Europa musste den ersten Weltkrieg verdauen und vieles war im Wandel. Heute ist Software und das Internet der Dinge die massgebende, wirtschaftliche Einflussgrösse. Und dies über alle Branchen. Die Zukunft ist eine Kombination aus Technik, Elektrotechnik und Software, die enorme Möglichkeiten mit sich bringt. Wenn Sie ein High-Tech-Entertainment-System in ein schönes Auto einbauen, in dem viele elektronische Fahrsysteme funktionieren, führt das insgesamt zum Erfolg bei den Kunden. Wir erleben heute und in Zukunft eine immense Vernetzung der verschiedenen Disziplinen. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit ist der richtige Weg für die kommenden Jahre."